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Raum

Urbanisierung

Im Jahr 1871 wird das Deutsche Kaiserreich gegründet. Zu dieser Zeit zieht es immer mehr Menschen vom ländlichen Raum in die Städte, denn die industrielle Revolution schafft dort neue Arbeitsplätze. Es kommt so zu einer intensiven Verstädterung – der Urbanisierung um 1900. Diese hinterlässt sichtbare Spuren in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg: Noch heute erinnern viele repräsentative Verwaltungsgebäude und die beliebten Altbauwohnungen an den Bauboom dieser Zeit.

Quelle: Wikimedia, Lizenzen: Public Domain Deutschland und USA

Im 19. Jahrhundert steigt die Attraktivität deutscher Städte

Mit den Agrarreformen im frühen 19. Jahrhundert wird die Leibeigenschaft abgeschafft. Bauern können nun erstmals von den Höfen ihrer Feudalherren wegziehen. Da nur wenige Bauern die Mittel haben, eigenes Land zu erwerben, bietet ihnen das Landleben kaum noch sinnvolle Perspektiven. Gleichzeitig sorgt die zunehmende Industrialisierung für neue Arbeitsmöglichkeiten und höhere Löhne in den städtischen Fabriken. In der Folge kommt es zu einer drastischen Landflucht. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Städte.

Landflucht von Ost nach West

Besonders den agrarisch geprägten östlichen deutschen Provinzen West- und Ostpreußen, Pommern, Posen und Schlesien kehren immer mehr Menschen den Rücken. Ihr Ziel sind die neuen Industrieregionen in der Rheinprovinz und in Westfalen, in Berlin sowie in Brandenburg. Diese neuen Industriezentren ziehen überregional Zuwanderer an und sind besonders stark von der Urbanisierung im späten 19. Jahrhundert geprägt.

Landflucht aus den polnischen Gebieten Preußens, Karikatur aus der sozialdemokratischen Satirezeitschrift „Der wahre Jakob“, 1912

Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg, Lizenz: Public Domain

Die erhöhte Mobilität wirkt nicht nur auf die Industrialisierung, indem Gütertransporte einfacher und günstiger werden. Auch das individuelle Reisen wird leichter – und die Menschen mobiler. Zum Vergleich: Eine Postkutsche zwischen Augsburg und Nürnberg befördert im Jahr 1839 nur 309 Fahrgäste. Zwei Jahre später transportiert ein Zug auf derselben Strecke 31.622 Fahrgäste. Auch die Reisezeit verkürzt sich. Braucht eine Postkutsche von Berlin nach Köln fünfeinhalb Tage, benötigt der Schnellzug ab 1851 gerade einmal 17 Stunden.

Bevölkerungswachstum in der Kaiserzeit

Doch nicht allein die Landflucht sorgt für eine starke Urbanisierung. Auch das Bevölkerungswachstum nimmt zu. Grund hierfür ist die verbesserte medizinische Versorgung, mit der die Lebenserwartung der Menschen steigt. Zwischen 1800 und 1880 wächst die deutsche Bevölkerung um 80 Prozent. Danach steigt das Bevölkerungswachstum noch rasanter. Zwischen 1880 und 1910 wächst die Bevölkerung um weitere 80 Prozent: 64,5 Millionen Menschen leben nun im Deutschen Kaiserreich. Dabei konzentriert sich diese Entwicklung auf mittlere und große Städte, die zum Teil regelrecht explodieren.

Familie Lehmann, zwei plastische Blechfiguren mit Möpschen. 

Quelle: Sammlung BPM

11000

Die Zahl der Menschen in Großstädten steigt von insgesamt 11.000 Einwohnern im Jahr 1830 auf 13,8 Millionen im Jahr 1910.

Wachstum deutscher Städte im 19. Jahrhundert

Noch im Jahr 1800 gibt es nur zwei Großstädte in Deutschland mit über 100.000 Einwohnern: die preußische Haupt- und Residenzstadt Berlin und die Hansestadt Hamburg.

Mit der Industrialisierung und der damit einhergehenden Urbanisierung entstehen neue Zentren, zum Beispiel im Ruhrgebiet. Ist Dortmund um 1800 noch eine Kleinstadt mit 4.500 Seelen, so leben dort 1910 bereits 214.226 Einwohner. Die „Kanonenstadt Essen“, Heimat der Krupp-Gussstahlwerke, hat um 1800 ebenfalls nur 4.000 Einwohner und ist um 1910 eine Großstadt mit beinahe 300.000 Einwohnern. So knacken immer mehr Städte die 100.000-Einwohner-Marke. 1910 gibt es in Deutschland 48 Großstädte, 32 davon in Preußen.

Kinder im Wohnhof „Blauer Lappen“ des Hamburger Gängeviertels/Friedrich Wilhelm Johann Theodor Hamann, 1901

Quelle: Wikimedia, Lizenz: Public Domain

Urbanisierung um 1900: In Berlin explodiert die Einwohnerzahl

Besonders eindringlich lässt sich die Urbanisierung am Beispiel der Reichshauptstadt Berlin erkennen. Als sich das 19. Jahrhundert dem Ende zuneigt, potenzieren sich die Einwohnerzahlen. Leben dort im Jahr 1871 gerade einmal 826.300 Menschen, sind es 40 Jahre später ganze 2,1 Millionen. Doch kann sich die Stadt kaum mehr ausdehnen, denn die ehemaligen Dörfer der Umgebung wie Charlottenburg, Rixdorf (ab 1912 Neukölln), Schöneberg und Wilmersdorf sind inzwischen selbst zu Großstädten geworden, die an ihren Rändern mit Berlin verschmelzen. In Berlin kommt es, wie in vielen anderen Städten der Kaiserzeit, zu einem enormen Bauboom.

Das Potsdamer Tor im Jahr 1824 und 1910

Der Bauboom im 19. Jahrhundert zeigt sich zwischen dem heutigen Potsdamer und Leipziger Platz in Berlin. Als Architekt und Stadtplaner Karl Friedrich Schinkel 1824 das „Neue Potsdamer Thor“ errichtet, ist das Areal kaum bebaut. Bis 1910 entstehen dort zahlreiche neue Gebäude. Statt mir der Droschke sind die Menschen nun mit der Straßenbahn unterwegs. 

BPM potsdamer-tor-1824 Ein klassizistisches Säulenportal neben der mit historischen Straßenbahnen befahrenen Straße.Im Hintergrund stehen zahlreiche Hochhäuser. Auf dem Bürgersteig laufen Passanten mit Strohhüten.

Das Potsdamer Tor in Berlin um 1824 vs. um 1910
(links: Aquarell von Friedrich August Calau, rechts:
Foto von Otto Haeckel).

Quellen: Wikimedia (links), lizensiert unter Public Domain, Sammlung Bundesarchiv/Wikimedia (rechts), lizensiert unter CC BY-SA

Bauboom zur Kaiserzeit: Die Urbanisierung schreitet voran

Der Staat steht vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums um 1900 vor der Herausforderung, die Infrastruktur für die große Zahl der neuen Bürger bereitzustellen. Allein der Wohnungsbestand in Deutschland verdoppelt sich innerhalb von 40 Jahren auf 14 Millionen Wohnungen. Dazu kommen zehntausende Gerichtsgebäude, Schulen und Krankenhäuser. Viele Gebäude der Kaiserzeit verfolgen repräsentative Zwecke und spiegeln mit ihrer ausdrucksvollen Architektur ein großes nationales Selbstbewusstsein. Stuckverzierte Altbauwohnungen, Schulen, Gerichtsgebäude, Krankenhäuser, Bahnhöfe, Verwaltungsgebäude, Postämter und Kasernen zeugen noch heute von der Urbanisierung.

*Quellen der Abbildungen: 01 & 02 Architekturmuseum TU Berlin, 03, 04 & 06 Deutsche Fotothek/Brück und Sohn, 08 Heimatverein Teltow, 09 Kurt Tucholsky Literaturmuseum

Lizenzen der Abbildungen: 01-04 Public Domain, 05-07 CC BY-SA, 08 & 09 CC BY-NC-SA

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Die medizinische Versorgung verbessert sich

Mit der Urbanisierung rückt auch die medizinische Infrastruktur ins Blickfeld.  Mitte der 1870er Jahre gibt es im Kaiserreich beispielsweise 2.357 Krankenhäuser mit einer Kapazität von insgesamt 107.337 Betten. Bis zum Jahr 1910 verdoppelt sich die Zahl der Kliniken, die der Krankenhausbetten mit einem Volumen von 407.576 hingegen vervierfacht sich fast. Obwohl sich das Bevölkerungswachstum ungebremst fortsetzt, gelingt es im gleichen Zeitraum, die Pro-Kopf-Versorgung mit Ärzten und Zahnärzten deutlich zu verbessern. Mit der Verbesserung der medizinischen Versorgung und der Eindämmung der Kindersterblichkeit steigt die durchschnittliche Lebenserwartung (1871 nur 35,6 Jahre für Männer und 38,4 Jahre für Frauen) in der Zeit des Kaiserreichs um rund zwölf Jahre.

Betten im Krankensaal des Instituts für Infektionskrankheiten der Charité. Fotograf: Hermann Rückwardt, 1892

Quelle: Wikimedia, Lizenz: CC-BY-SA

Stadtentwicklung im Kaiserreich

Wohnraum in den Städten ist rar und begehrt. Trotz des Baubooms während der Kaiserzeit herrschen Enge und Wohnungsnot. Die Bautätigkeit liegt in den Händen privater Bauherren. Sie sorgen in  den vier Jahrzehnten von 1871 bis 1910 jedes Jahr für 150.000 neue Wohnungen. Insgesamt stehen am Ende dieser Periode 14,3 Millionen Wohnungen zur Verfügung, im Durchschnitt eine für 4,5 Bewohner. Es wird immer enger, die rasanten Städte werden im Zuge der Urbanisierung weiter verdichtet. 

Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen wie hier.
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Der Arzt Robert Koch an Kaiser Wilhelm II.

Hinter den großbürgerlichen Vorderhäusern, die uns heute noch mit ihren prächtigen hohen Räumen und Stuckdecken begeistern, entstehen enge Hofbebauungen, Hinterhäuser und Quergebäude. Mehrere Wohnungen teilen sich eine Toilette auf halber Treppe. Wenn die Mieter mit vielen Familienmitgliedern die Wohnungen beziehen, sind diese oft feucht. Lungenentzündungen und Tuberkulose sind Volkskrankheiten und zählen zu den häufigsten Todesursachen.

So wohnen Arbeiterfamilien in der Großstadt: die Berliner Wohnungs-Enquête

In den Jahren 1903 bis 1920 organisiert die Berliner Ortskrankenkasse zusammen mit Apothekern und Kaufleuten die sogenannte Berliner Wohnungs-Enquête, um auf die Wohnverhältnisse in den Elendsvierteln hinzuweisen. In diesem Rahmen dokumentieren sie mit Fotos die krankmachenden Wohnungsbedingungen. 

Berichte der Berliner Wohnungs-Enquête: Ein Blick in die Wohnverhältnisse zwischen 1903 und 1920

Quelle: Berliner Stadtplansammlung

Der Hobrechtplan in Berlin

In der besonders von der Urbanisierung betroffenen Reichshauptstadt Berlin ist die hygienische Lage kritisch. Schon 1862 legt der preußische Stadtplaner James Hobrecht (1825–1902) den nach ihm benannten Hobrecht-Plan vor: Dieser sieht eine dichte Bebauung um die damalige Berliner Innenstadt herum vor. Neben neuen Straßen entwickelt Hobrecht zur Verbesserung der Hygiene eine unterirdische Kanalisation. Zwölf autonome Abwassernetze, sogenannte Radialsysteme, leiten das Schmutzwasser auf die Rieselfelder vor der Stadt. So gelangen keine großen Mengen ungeklärter Abwässer in die Spree.

Übersichtskarte des Bebauungsplans der Umgebungen Berlins (genehmigt am 18. Juli 1862)

Quelle: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Lizenz: Public Domain

Urbanisierung und öffentlicher Nahverkehr

Parallel zum Bevölkerungswachstum entwickelt sich die Mobilität in den Städten. Ab 1902 verfügt Berlin über eine elektrisch betriebene Hoch- und Untergrundbahn, das Netz wird bis 1914 rasch auf fünf Linien mit 49 Stationen erweitert und hilft, die Arbeiter zu den Industriebetrieben am Stadtrand zu bringen. Dies verhindert einen Verkehrskollaps auf den Straßen. 

Simon Spill präsentiert sein Lieblingsobjekt aus der Sonderausstellung „[K]ein Kinderspiel“.

*Quellen der Abbildungen: 01, 05, 06 & 07 Privatsammlung, 02 – 04 Sammlung BPM

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#1

Möckernstr. 115, Hof, rechter Seitenflügel

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

“Küche 4,50 m Länge, 1,90 m Breite, 2,80 m Höhe, nur durch ein kleines Dachfenster dringt etwas Licht in diesen Raum, in welchem der in Schlafstelle lebende Patient sich aufhält. Bei Regen oder Schneewetter kann das Fensterchen überhaupt nicht geöffnet werden. Die kleine Wohnung besteht aus Stube und Küche und ist der Mieter, welcher Vater von 8 Kindern ist, genötigt, Schlafburschen zu halten.”

#2

Parochialstr. 13, 1. Stock

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

“Küche von 2 Meter Länge, 2 Meter Breite und 2,25 Meter Höhe. Eine ausgetretene morsche Treppe führt zur Wohnung. Der kleine Raum ist schwarz geräuchert, durch Feuchtigkeit ist vielfach der Putz abgefallen und die schadhaften Stellen mit Papier verklebt. Türen und Fenster sind mit Lappen verstopft und benagelt. Der Hof ist so eng, dass Licht und Luft nicht in die Küche gelangen, meistens muss die Lampe brennen. Die Kochmaschine ist aus Ziegelsteinen aufgebaut und mit einer Ringplatte belegt.”

#3

Pücklerstr. 14

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Kellerwohnung bestehend aus Stube, Kammer und Küche. Der Familienvater vermietet an Schlafburschen; Hühner und Kaninchen laufen in der Wohnung umher. Die Familie steht aus Mann, Frau und 5 Kindern. Die dunkle Stube ist 3,80 Meter lang, 3,40 Meter breit, 2,55 Meter hoch, sie dient 6 Personen als Schlafraum.“

#4

Wassmannstr. 18

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Vorderer Teil einer Kammer. 3 Treppen unterm Dach, Länge 3 Meter, von 2 Meter ab schräge Decke, Breite 2 Meter, Höhe 2,10 Meter; das Fenster ist 60 cm hoch und 40 cm breit, ein Lungenkranker teilt Raum und Bett mit einem 13jährigen Knaben.“

#5

Wrangelstr. 11

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„4 Treppen. Schlafraum der Kranken durch 3 kleine Luken erhellt, zur Zeit der Aufnahme (Anfang Juli) furchtbar heiss, Bretterwände mit Tapeten verklebt.“

#6

Blücherplatz 1

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Früher Schmiede, jetzt Schlafraum für Stallleute, enthält 4 Betten, Fenster sind nicht vorhanden, dagegen befinden sich in der Türe Scheiben zum Öffnen. Der Fussboden besteht aus Mauersteinen, der Ofen ist aus Mauersteinen zusammengesetzt und ca. 1 ½ Meter hoch.“

#7

Rheinsberger Str. 62

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Kellerwohnung, bestehend aus Stube und Küche. Die Frau arbeitet Filzpantoffel, sie muss den Platz am Fenster wählen, da der übrige Teil der Stube dunkel ist. Für fünf Personen waren zwei Betten vorhanden. Der Eingang zur Wohnung ist dunkel, die Treppen schmutzig.“

#8

Danziger Str. 71

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Stube und Küche. Die Küche ist ohne Fenster. Patient schläft mit Frau und 2 Kindern in der Küche, wo sich auch der ganze Besitz der Leute befindet, die Stube ist leer, kein Tisch oder Stuhl ist in der ganzen Wohnung vorhanden.“

#9

Waldemarstr. 75 (Seitenflügel)

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Kellerwohnung, bestehend aus Stube Kammer und Küche, man steigt 14 Stufen zu ihr hinab. Die Räume sind dunkel und feucht, die Höhe 2,50 m, 1,50 m unter dem Niveau der Straße. – Ein Bild der Not und des Elends. Der Mann ist augenkrank und lungenleidend, zwei Kinder sind vor kurzer Zeit gestorben.“

#10

Seestr. 27

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Wohn- und Schlafzimmer, bewohnt vom Ehepaar und zwei Söhnen, 10 und 16 Jahre alt. In diesem verräucherten Raum werden an kalten Tagen Lumpen sortiert, die Aufnahme zeigt ihn in aufgeräumtem und gesäubertem Zustand. Länge 4,00 m, Breite 3,75 m, Höhe 2,60 m.“

#11

Berlin NO., Landsberger Platz 1

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Lizenz: Public Domain

„Wohnraum im Keller des Quergebäudes mit schmutzigen Wänden und furchtbar muffiger Luft. Im Keller dieses Hauses wohnen noch elf Mietsparteien, auch ein Hühnerstall des Hauswirtes ist hier untergebracht.“

Die polnische Zeitung Wiarus Polski

Als der Pfarrer Franciszek Liss die Zeitung „Wiarus Polski“ gründet, hat er ein eindeutiges Publikum: Polnische Auswanderer, die sich fernab ihrer Heimat im Ruhrgebiet niederlassen. Die seit 1890 in Bochum erscheinende Zeitung hat zunächst das erklärte Ziel, aus katholischer Perspektive über das politische und gesellschaftliche Geschehen aufzuklären. 

Die Zeitschrift „Wiarus Polski“ erschien in Bochum von 1891 bis 1923

Quelle: Biblioteka Jagiellońska, Lizens: Public Domain

Bald ändert sich der Fokus jedoch auf polnisch-nationale Inhalte und die Zeitung tritt für die Rechte der polnischen Arbeiterinnen und Arbeiter im Ruhrgebiet ein. So unterstützt sie etwa 1902 die Gründung der „Polnischen Berufsvereinigung“ (Zjednoczenie Zawodowe Polskie).